Café Electric (1927)

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Filmbesprechung nach der Uraufführung

Wenn ein Weib den Weg verliert (Café Electric)
Sascha-Film der Südfilm A.-G. Emelka-Palast

   Der Film weist zwei Handlungen auf. Allerdings nur immer die Hälfte einer jeden. Von der einen den Anfang, von der anderen das Ende. Es ist die Geschichte vom schönen Ferdi, der zuerst mit der Erni was hat, und nachher die Hansi ersticht. (Die Namen sind authentisch!)

   Doch berichten wir die Begebenheiten der Reihe nach. Da ist der Bauunternehmer Göttlinger, ein braver Mann, der für kostbaren, alten Schmuck schwärmt (was wir glauben wollen, trotzdem die Ringe, die wir zu sehen bekommen, verdammt an ganz moderne Bazarschlager erinnern). Seine Tochter ist ein lebenslustiges Ding, das sich ohne viele Umstände von einem gewissen Ferdi, einem recht zweifelhaften Kavalier, verführen läßt (wenn an diesem „unschuldigen“ Kind, das die robuste Grazie und laszive Keckheit Marlene Dietrichs besitzt, überhaupt noch etwas zu beschädigen war).

   Völlig in der Gewalt ihres „dämonischen Verführers“, bestiehlt Erni, so heißt unsere kleine Freundin, ihren Papa. Und trotzdem ein unter anderem verschwundener Ring einen recht umständlichen weg von Hand zu Hand macht, landet er schließlich doch an einem Finger, auf den bald darauf der arme alte Göttlinger sehen soll, der so von den Extratouren seiner Erni erfährt. In diesem Augenblick geht auch der von einer verflossenen verpfiffene Ferdi hoch.

   Hier hört dann die erste Handlung auf. Völlig auf! Denn nachdem wir noch die Andeutung des Alten gehört haben, daß er sie, die Erni, gut unterbringen wird (im Programm lesen wir etwas von einer strengen Tante), ist das liebe Kind, auf das sich nach Anlage der Exposition das ganze Interesse konzentrierte und in der man die Dame vermutete, die den Weg verliert, für immer verschwunden.

   Handlung Nummer 2 ist das furchtbare Ende der Hansi vom Café „Electric“. Es ist eigentlich nicht ganz klar, ob Ende. Vielleicht soll sie sich auch wieder erholen. Doch greifen wir nicht vor.

   Die Hansi, die eigentlich eine „solche“ ist, möchte gar zu gerne aus dem Sumpf heraus, und klammert sich aus diesem Grunde verzweifelt an den Bauführer des alten Göttlinger, den Idealisten Max Stoeger. Doch der Unselige glaubt sich von ihr betrogen (und noch dazu mit einem ganz alten philantropischen Mediziner, der jedoch lediglich soziale Studien in dem Lastercafé treibt!). Und Max Stoeger stößt in seinem Zorn die Hansi – nach wenigen Monaten reinen Glückes – wieder zurück in den Sumpf, wo auch bald der Ferdi auftaucht (der seine Zeit abgemacht hat!), um sie, die ihn nach seiner irrtümlichen Meinung ins Loch gebracht hat, zu erstechen. Das ist der Inhalt des Films. Das Manuskript Jacques Bachrachs (die Bearbeitung eines Bühnenwerkes von Felix Fischer) ist eine sehr oberflächliche Arbeit.

   Die Regie Gustav Ucickys gibt sich redliche Mühe, die Szenen zu beleben, wenn auch vieles (so die Straßenbilder mit „vorübergehenden Passanten“) noch sehr gestellt wirkt. Anderes ist besser.

   Nina Vanna als Hansi regt uns weder an, noch auch nur auf. Marlene Dietrich Anspruchslosere [?] wenigstens das letztere. Wenn sie auch ihre muskulösen Schultern besser nicht entblößte. Sie sieht im Dekolleté erschreckend vierschrötig aus.

   Der Ferdi von Willi Forst ist etwas zu stark auf „kesser Junge“ angelegt. Er ist vielleicht in der richtigen Führung, die zu bremsen und zu dämpfen vesteht, ein nicht unbrauchbarer Darsteller.

   Entsetzlich edel ist Igo Sym, der Bauführer mit dem goldenen Herzen, während Fritz Alberti mit Routine den Vater der Erni hinlegt und Vera Salvotti nicht minder habituell eine ältere Nutte aufleben läßt. Der Film wird dem breiteren Publikum gefallen.

da.

 

(Quelle: Lichtbild-Bühne, 23.03.1928)

 

 

 

 

(Quelle: Lichtbild-Bühne, 21.03.1928)

 



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